Wie erlebten Geflüchtete, die in Sammeleinrichtungen unterbracht waren, und Menschen, die in der Seefahrt arbeiteten, die COVID-19-Pandemie? Diese Frage thematisiert die Ausstellung „Still Stehen“. Sie basiert auf den Ergebnissen des Projekts „RECENT“, das von den Universitäten Halle-Wittenberg und Witten/Herdecke (Lehrstuhl für Versorgungsforschung) durchgeführt wurde. Damit zeigt „Still Stehen“ eindrücklich, wie Wissenschaftskommunikation innovativ gestaltet werden kann und wie es gelingt, der Gesellschaft abstrakte Forschungsergebnisse näherzubringen.
Die Forscher:innen untersuchten einerseits die Lebensbedingungen von Geflüchteten in Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen oft menschenunwürdige Bedingungen herrschen, vor allem während der Pandemie. Andererseits beleuchteten sie die Erfahrungen von Seefahrer:innen, die während des Lockdowns monatelang auf Schiffen ohne Landgang leben mussten.
Ihre Forschungsergebnisse haben sie in einen Erfahrungsraum übertragen: Durch Chats, Sounds, räumliche Enge und Materialien, die an das Leben an Bord oder in den Aufnahmeeinrichtungen erinnern, werden die Lebensrealitäten von Geflüchteten und Seeleuten während der Pandemie erlebbar. Der dröhnende Schiffsmotor, das Stimmengewirr in verschiedenen Sprachen, der Boden, der unter den Füßen schwankt, oder die Ausstellungswände, die wie ein Tunnel anmuten – durch diese Simulationen können die Besucher:innen der Ausstellung die Perspektiven der Betroffenen einnehmen.
Ziel der Ausstellung ist es, Aufmerksamkeit zu schaffen für diese beiden in der Gesellschaft unterrepräsentierten Gruppen. Denn Pandemien werden vermutlich auch in Zukunft ein Thema sein, Geflüchteten-Unterkünfte wichtige Institutionen bleiben und die Seefahrt wird die globale Logistik am Laufen halten.
Am 22. März 2025 wurde die von der Volkswagenstiftung geförderte Ausstellung im Stadtmuseum Halle an der Saale eröffnet, dort ist sie noch bis Ende Mai zu sehen. Danach geht sie nach Bremerhaven ins Deutsche Schifffahrtsmuseum; perspektivisch ist auch ein Halt in Witten geplant.