Win-Win-Studie stärkt Prävention in der ambulanten Pädiatrie
Projektstart im Innovationsfonds
Im November 2025 ist die durch den Innovationsausschuss beim Gemeinsamer Bundesausschuss geförderte Studie „Sei dabei!“ gestartet. Das Projekt wird im Rahmen des Innovationsfonds umgesetzt und verfolgt ein zentrales Ziel: Familien frühzeitig für einen gesunden Umgang mit Bildschirmmedien zu sensibilisieren und Kinder- und Jugendarztpraxen in ihrer präventiven Beratung nachhaltig zu stärken.
Starkes Konsortium aus Wissenschaft und Versorgung
Die Konsortialführung liegt bei Dr. med. Silke Schwarz und Prof. Dr. med. David Martin vom Gerhard-Kienle-Lehrstuhl der Universität Witten/Herdecke. Zum Studienkonsortium gehören zudem die BVKJ-Service GmbH, der BKK Landesverband Bayern sowie das Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald.
Damit vereint das Projekt wissenschaftliche Expertise, Versorgungsnähe und gesundheitsökonomische Kompetenz.
Bundesweite Einbindung von 1.153 Praxen
Seit Dezember 2025 werden deutschlandweit pädiatrische Praxen über die PraxisApp und den Selektivvertrag „STARKE KIDS by BKK“ in die Studie eingebunden. Insgesamt konnten 1.153 Praxen randomisiert einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeordnet werden.
Ärztinnen und Ärzte der Interventionsgruppe wurden durch einen Videoclip motiviert, an einer CME-zertifizierten Online-Fortbildung teilzunehmen und die Intervention strukturiert umzusetzen.
Ziel: Frühe Prävention und Stärkung der Elternkompetenz
Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, wie Eltern dabei unterstützt werden können, die Bildschirmzeit ihrer Kinder im Vorschulalter gesund zu gestalten. Ziel ist es, frühe, unregulierte Mediennutzung zu erkennen, Orientierung im Sinne aktueller Leitlinien zu geben und alltagstaugliche Alternativen aufzuzeigen.
Konkret wird im Rahmen der U7a-Vorsorgeuntersuchung bei dreijährigen Kindern ein Signalaufkleber in das gelbe Vorsorgeheft eingeklebt. Dieser greift drei zentrale Empfehlungen der AWMF-Leitlinie „Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“ auf: maximal 30 Minuten Bildschirmzeit pro Tag, regelmäßige bildschirmfreie Tage sowie keine unbeaufsichtigte Bildschirmnutzung. Der Aufkleber dient als sichtbare Verstärkung des ärztlichen Beratungsgesprächs und unterstützt Eltern im Alltag.
Intensiv-Mediencoaching bei erhöhtem Bedarf
Ergänzend erhalten Eltern von Kindern mit auffälligen Bildschirmzeiten – ermittelt über eine prä-interventionelle Befragung – ein strukturiertes Intensiv-Mediencoaching in der Praxis.
Die Praxen der Kontrollgruppe führen die übliche Regelversorgung durch. So entsteht ein praxisnahes Studiendesign, das die Realität der ambulanten Versorgung abbildet und gleichzeitig neue präventive Impulse setzt.
Begleitende Evaluation und Befragungen
Aktuell startet die Elternbefragung über die PraxisApp – sowohl in der Interventions- als auch in der Kontrollgruppe. Erhoben werden unter anderem die Bildschirmzeiten der Kinder, familiäre Aktivitäten und Bewegungsmöglichkeiten („Walkability“), der Entwicklungsstand des Kindes sowie die Internetnutzung der Eltern.
Weitere Befragungen erfolgen drei, sechs und neun Monate nach der U7a sowie erneut vor der U8-Untersuchung. Neben der Effektevaluation umfasst „Sei dabei!“ zudem eine Mixed-Methods-Prozessevaluation sowie eine gesundheitsökonomische Analyse auf Basis der Routinedaten BKK-versicherter Kinder. Damit werden Wirksamkeit, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen untersucht.
Weitere Informationen und Kontakt
Detaillierte Informationen zur Studie finden Sie unter:
http://www.bildschirmfrei-sei-dabei.de
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an die Projektleitung:
Dr. med. Silke Schwarz und Prof. Dr. med. David Martin
E-Mail: silke.schwarz@uni-wh.de
„Bildschirmfrei – Sei dabei!“ verbindet wissenschaftliche Evidenz mit alltagsnaher Prävention – und schafft damit einen echten Mehrwert für Familien, Praxen und das Gesundheitssystem.
