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Neuigkeiten

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(Foto: pixabay | Miran Lesnik)

Studierende entwickeln Social-Media-Konzept für Kasseler Einrichtung zur Begleitung von Jugendlichen mit Essstörungen

In einem Projektseminar an der Universität Witten/Herdecke entwickelten Studierende eine Kommunikationsstrategie, die junge Frauen mit Essstörungen behutsam und verantwortungsvoll über soziale Medien ansprechen soll.

Die Gesellschaft für pädagogische Betreuung und Entwicklungsförderung mbH (GPE) in Kassel begleitet seit 2014 Jugendliche und junge Erwachsene mit Essstörungen. In fünf vollstationären Einrichtungen betreuen rund 92 Mitarbeitende insgesamt 63 junge Menschen. Im Wintersemester 2025/2026 hat die GPE gemeinsam mit der Universität Witten/Herdecke ein Projektseminar durchgeführt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Steiner erarbeiteten Studierende eine wissenschaftlich fundierte Social-Media-Strategie, um betroffene Mädchen und junge Frauen im Alter von 13 bis 23 Jahren über digitale Kanäle zu erreichen.

Warum Social Media?

Der Bedarf an Aufklärung ist hoch: Laut Robert Koch-Institut zeigen rund 20 Prozent der 11- bis 17-Jährigen Hinweise auf Symptome von Essstörungen. Gleichzeitig nutzen fast 80 Prozent der 13- bis 18-Jährigen mindestens wöchentlich soziale Medien – ein Raum, in dem idealisierte Körperbilder allgegenwärtig sind. Aufklärung muss deshalb dort stattfinden, wo sich junge Menschen täglich aufhalten.

Das Konzept: Drei Phasen, drei Ansprachen

Die Strategie unterscheidet drei Gruppen von Betroffenen, die sich in ihrer Veränderungsbereitschaft unterscheiden. Für Jugendliche, die gerade erst beginnen, ihr Verhalten zu hinterfragen, setzt die Kommunikation auf behutsame Aufklärung ohne Druck. Für jene, die bereits aktiv nach Hilfsangeboten suchen, werden konkrete Informationen über Unterstützungswege bereitgestellt. Und für Betroffene, die bereits erste Schritte der Veränderung unternommen haben, liegt der Schwerpunkt auf Stabilisierung, Ermutigung und dem Umgang mit Rückschlägen.

Als Plattformen wurden Instagram und TikTok gewählt. Die Inhalte reichen von erklärenden Bildbeiträgen über Kurzvideos bis hin zu interaktiven Formaten. Ein saisonaler Redaktionsplan berücksichtigt typische Belastungssituationen im Jahresverlauf – etwa den Vergleichsdruck in der Sommerzeit oder erhöhten Stress während der Prüfungsphasen.

Verantwortungsvolle Kommunikation als Leitprinzip

Besonderes Augenmerk liegt auf dem Schutz der Betroffenen. Sämtliche Inhalte sind so gestaltet, dass sie keine belastenden Reaktionen auslösen. Auf Körperbilder, persönliche Fallgeschichten und auf emotionale Zuspitzungen wird bewusst verzichtet. Die GPE tritt in der Kommunikation nicht werbend auf, sondern als verlässlicher, fachlich fundierter Orientierungspunkt, der die Würde und Schweigepflicht der betreuten Jugendlichen wahrt.

Ausblick

Die Strategie ist als konzeptionelle Grundlage angelegt und bietet der GPE ein Gerüst für den künftigen Aufbau einer Social-Media-Präsenz. Die Zusammenarbeit zwischen Universität und Praxispartner zeigt, wie akademische Lehre und gesellschaftlich relevante Fragestellungen gewinnbringend verknüpft werden können.